Vibes Summit:



 




Augsburger Allgemeine, 30.4.99

Fröhliches Miteinander in technischer Perfektion

Vibraphonisten boten einmaliges Instrumental-Erlebnis


Kempten. Zum zweiten Mal in der Jazzgeschichte treffen sich vier berühmte Vibraphonisten zu einem Vibes-Happening. Beim ersten Summit vor 20 Jahren, beim Jazzfestival in Berlin war J.E. Berendt der Urheber. Heute, zum 13. Kemptener Jazzfrühling, war es Gerold Merkle, der vier Weltstars verpflichtete und zu einem einmaligen Instrumental-Erlebnis lud.

MILT JACKSON, der Senior des Quartetts, war stiller, liebenswerter Leader. Seine Art zu spielen, erinnert, obwohl modern geprägt, an zurückliegende Jahrzehnte. Swing- und Blues-Elemente machen sein Spiel melodisch, verständlich.

WOLFGANG LACKERSCHMID schien an diesem Abend der kreativste Vibraphonist zu sein. Nicht nur, daß er einen Cellobogen mit einsetzt, sondern auch Tempi-Spielereien bei Solis und Liedgut anderer Kontinente einflechtet. Sein Ideenreichtum ist unerschöpflich. ,,Sarahs Bande", eine Art Walzer-Fantasie, im Zusammenspiel mit dem Pianisten Mi-ke Longo, verdeutlichte dies höchst anschaulich.

BOBBY HUTCHERSON gefiel durch sein virtuoses klares Spiel. Bei seinen Vorträgen hatten Aug und Ohr Schwierigkeiten, Schritt zu halten. Noch so komplizierte Solis in atemberaubendem Tempo waren stets mit Bruchteilen der Themen durchsetzt.

DAVE SAMUELS brillierte sowohl am Marimbaphon wie auch am Vibraphon. Sein „zauberhaftes“ Klangbild in 4-Schlegel-Technik erzeugte Wohlklang. Viel daran erinnert an Latin-Einflüsse und die frühe Zugehörigkeit zu Jazzgrößen wir Stan Getz und Mulligan.

Wahre Vollkommenheit erlangte das Konzert durch die Rhythmusgruppe. Am Piano Mike Longo, am Schlagzeug Karl Latham und Bassist und Melodist John Lee. Alle drei sind Rhythmus-Garanten für Jazz-Legenden auf der ganzen Welt.

Der Abend war gelungen. Nie hatte man das Gefühl von Wettbewerb. Fröhliches Miteinander und musikalische Perfektion auch beim Schlußstück „A Night in Tunesia“. Ein volles Haus applaudierte.

Sieben Musiker schufen ein tonales Kunstwerk, das leider einmalig bleiben wird.





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