
(Fotos: Brice Le Frère, Augsburg)
(gwen). Treffen sich drei hochkarätige Musiker, so muss deshalb noch lange kein aufregendes Konzert entstehen. Kommen jedoch im Augsburger Traumraum Wolfgang Lackerschmid, Stephan Holstein und Walter Lang unter der Bezeichnung Full Moon Trio zusammen, ist Jazz vom Feinsten garantiert.
Den Namen hatten sich die drei ausgewählt, weil sie immer schon einmal bei Vollmond ein Konzert geben wollten. Bislang ließ das ihr Terminkalender nicht zu. Nun spielten sie bei Neumond, sehr zur Freude der Fans, die zahlreich zur Session in den Traumraum gekommen waren. Eine Session im eigentlichen Sinn war es jedoch nicht. Zwar entschieden die Musiker spontan die einzelnen Titel ihres Programms, doch boten sie ausschließlich Songs aus ihrem Repertoire die sie freilich, um dem Jazz gerecht zu werden, frei improvisierend und kunstvoll variierten.
Indes verfielen sie dabei nie in den Free-Jazz, der dem Zuhörer oft viel abverlangt. Die Kunst der Improvisation erfordert Zielsicherheit, beim Zusammenspiel auf das Song-Thema zu treffen. Diese Kunst beherrschen die Musiker meisterhaft, egal ob bei Standards wie Just Friends, Lovers no more oder bei der gelungenen Eigenkomposition Daily Rose. Besonders die Soli waren ein Ohrenschmaus.
Stephan Holstein entlockte seinem Altsaxophon ebenso wunderbar warme, ausdrucksvolle Klänge wie Walter Lang dem Piano. Wenn Wolfgang Lackerschmid seine Holzschlägel im atemberaubenden Tempo über das Vibraphon tanzen lässt, scheint der gesamte Traumraum in vibrierendem Glockenschlag zu versinken. Das von Kreativität sprühende Trio sollte man sich nicht entgehen lassen, egal ob bei Vollmond oder bei Sonnenfinsternis.
Dr. Tobias Böcker, "NR" (Konzert am 08.12.2000)
Ein Abend der leisen Töne, zart, zärtlich, innerlich: Drei Musiker aus dem bayerisch-schwäbischen Raum zelebrieren die romantische Seite des Jazz in subtiler Behutsamkeit und meditativem Fluss. Die anlässlich des Konzerts aufgenommene CD wird einen besonderen Konzertabend im Neuburger Birdland dokumentieren.
Seit Jahren sind sie befreundet, der Klarinettist und Saxophonist Stephan Holstein, der Pianist Walter Lang und der Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid. Für diesen Abend im Neuburger Birdland wirken sie noch einmal besonders auf eine gemeinsame Wellenlänge eingeschwungen. Sie erreichen ein hohes Maß an atmosphärischer Konzentration, erzählerischer Dichte und kommunikativer Kohärenz. Kammerjazz, ein Ausdruck, der oft genug herhalten muss für smoothige Belanglosigkeit, hier ist er im besten Sinne berechtigt. Größtmögliche Ausdrucksbreite geht einher mit intensiver gegenseitiger Zuordnung, akzentuierte Individualität mit einfühlsamem Gemeinsinn, minimale Mittel mit maximaler Wirkung. Da sind drei Romantiker am Werk diesseits jeglicher Schmusigkeit. Holstein, ein Meister der feinen Nuancen, legt weich schimmernde Melodien in den Raum, die wie barocke Flussperlen in verhalten mattem Glanz erstrahlen, Lang frönt seinem Faible für transparente Miniaturen und unerwartete Akzente, Lackerschmid malt mit subtiler Finesse an Stimmungen, Bildern und Seelenlandschaften. Gemeinsam sorgen die drei für einen behutsam swingenden Konzertabend, der in einer Zeit, die alles dem Weihnachtseinkauf unterzuordnen scheint, mit melancholisch angehauchtem Temperament dem Sehnen zu seinem Recht verhilft.